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Damals in Syrien...

Händler am Hafen von Latakia 1972

Der grösste Seehafen Syriens war seinerzeit schon Latakia und wurde regelmässig von Schiffen der DSR angelaufen. Dieser Hafen entwickelte sich kontinuierlich und wurde, nachdem vorher der grösste Teil des syrischen Aussenhandels über Beirut abgewickelt wurde, umfassend modernisiert und erweitert. Anfang der 70er Jahre verfügte Latakia bereits über moderne Kaianlagen und Ladevorrichtungen.Elektrische Kräne, einen Schwimmkran und eine Siloanlage, grosse Lagerhallen prägten das Gesamtbild hinter der 1432 m langen Mole, die über 13 Liegeplätze am Kai verfügte .Einige Liegeplätze auf Innenreede kamen noch hinzu. Als weiterer syrischer Hafen war noch Tartous von Bedeutung und die Ölverladestation Banias.Als Levantefahrer frequentierten wir  diese Häfen häufiger im Jahr mit unterschiedlichster Liegezeit. Die Schiffsbesatzungen hatten dadurch Gelegenheit intensiv Land und Leute kennenzulernen.Welcher Mittelmeerfahrer erinnert sich nicht gerne zurück, an die Ausflüge nach Palmyra, den Fahrten zur Felsenfestung Krak de Chevaliers. Nicht dabei zu vergessen Ugarit / Ras Shamra, den Fundort  für die Menschheit wichtiger Keilschrifttafeln.

Palmyra
Eintrittskarte 1972

Es war eine der schönsten antiken Ruinenstädte der Welt:
Das syrische Palmyra. EinTempel, der dem babylonischen Gott Baal gewidmet war und später in eine Zitadelle umgebaut wurde, galt als einer der schönsten Tempel im Nahen Osten.2015 wurde dieser in die Luft gesprengt worden und unwiederbringlich als Weltkulturerbe zerstört.

Erinnerungen

Über 20 Jahre meines Lebens führten mich meine Wege regelmässig nach Syrien. Denke dabei an die   antiken Sehenswürdigkeiten von Damaskus, Aleppo, Palmyra, Homs oder Ugarit.

Vieles, wie z.b. Palmyra oder den schönsten historischen Suq in der Altstadt von Aleppo, habe ich noch vor der Zerstörung kennengelernt. Für mich war/ist Syrien eine Wiege auch unserer Kultur, denn viele Religionen und Hochkulturen der Antike haben dieses Land geprägt. Sumerer, Babylonier, Ägypter, Griechen, Römer.....
Das neuzeitliche Syrien erlebte ich vor dem Bürgerkrieg als ein gastfreundliches, vor Lebensfreude pulsierendes Land. 
Ich habe ein Syrien erlebt, dass von Offenheit und Toleranz geprägt war. Das schon vor über 40 Jahren. Die Syrer zeichneten sich durch einen hohen Bildungsstand aus . Bildung war als Sozialprestige höher angesiedelt als Reichtum und Besitz.
In Damaskus u.a. lebten auch die unterschiedlichen Religionsgruppen in gleichberechtigter Koexistenz miteinander.
Die Kleiderordnung unterschied sich, bis auf kleinere Religionsgruppen, nicht von der Mitteleuropas. Burkas und Kopftücher waren im Strassenbild weit in der Minderheit. Uniformierte waren höflich und korrekt, bis hin zur nicht selbstverständlichen Hilfeleistung.
Die ausgeprägte Gastfreundschaft war flächendeckend, vom kleinsten Dorf bis hin zur Großstadt , Toleranz gegen über Fremden eine Frage der Ehre.
Im Vergleich zu vielen Nachbarländern die ich in dieser Region kennenlernte, hatte ich hier nie das Gefühl vorrangig ein Opfer krimineller Aktivitäten zu werden. Auch das lästige Betteln nach Bakschisch war hier nicht vorhanden. Zur Ehrlichkeit:
Wenn man im Taxi oder in einer normalen Hafenpinte etwas vergaß/verlor, brachten die Besitzer diese Dinge dir hinterher bzw. nächsten Tag an Bord deines Schiffes.
Man konnte in den 1970er Jahren ungestört sein Bier im Strassencafe trinken und ein Verdauungsschnaps nach einem üppigen Essen am Abend war nicht unüblich.
Es bestand auch damals schon die Möglichkeit am Abend eine Disco aufzusuchen und nach den aktuellsten westlichen Hits zu tanzen. Nee nee, da waren nicht nur Touristen. Es war die Jugend Syriens die sich dort vergnügte. Bei einem dieser Besuche dort, erzählte mir eine Studentin u.a., dass die Kosten diese Studiums incl. der Unterbringung in einem Studentenwohnheim vom Staat getragen werden.Zur Gleichberechtigung dieser Zeit:
60% der Studierenden an einer der grössten Universtäten Syriens in Damaskus waren damals weiblich.Joo, so habe ich Syrien erlebt.

DSR-Schiffsbesatzung - Vorspeise Abendessen in Latakia 1972
Abendstimmung Reede Latakia

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