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                               Luanda,Lobito,Cabinda,Mocamedes (Namibe) & Co

Reede Luanda

Angolanische Seehäfen wurden von der DSR sehr häufig frequentiert. Nachdem dieses Land sich nach fast 500 Jahren Kolonialherrschaft 1975 von Portugal löste,begegnete auch noch in den Folgejahren uns Seeleuten dort das traurige Erbe dieser Zeit auf Schritt und Tritt.

Der wichtigste Hafen war Luanda,der über eine grosse und geschützte Innenreede verfügte.Hier fanden bei einer Wassertiefe von 12 bis 35 m bis zu 25 Ankerlieger Platz. Hinzu kamen dann 13 Liegeplätze für Großschiffe, 6 Plätze für Kleinschiffe,sowie 2 Tankerplätze (Stand 1977/78).

In diesem Hafen waren zu dieser Zeit auch Lotsen von BBB-Rostock im Einsatz um einen normalen Hafenbetrieb zu gewährleisten.Zeitgleich wurden für diese Funktion auch Angolaner vor Ort in der Praxis für diese Funktion ausgebildet.

Transport von W50 auf MS "Mulde" 1976 in der Biscaya

IFA

Eine sehr häufige Ladung unserer Schiffe waren damals die LKWs vom Typ W50 aus Ludwigsfelde.Die Angolaner hatten diesen Typ auf  IFA-"muito bom" getauft. IFA ist gut. Für die Wartung dieser Fahrzeuge wurden vor Ort Einheimische zum KFZ-Schlosser ausgebildet. Hinzu kam die Einweisung für die "motoristas", die Kraftfahrer,die dringend benötigt wurden. Das grossflächige Land Angola verfügte damals lediglich über 3720 km Bahnstrecke,die auf 4 nicht miteinander verbundene Linien gerechnet sind. Der Schwerpunkt des Transportwesen musste also mit LKWs organisiert werden. Als Seemann war es daher mitunter schwer verständlich zu begreifen, dass diese W 50,die man vor Wochen sicher und heil dort anlandete, kurzfristig als ausgeschlachtete Autowracks dort wiederzufinden. Fahrerhäuser, zweckentfremdet als Wartehäuschen,als Klettergerüst für Kinder in das Erdreich eingegraben bzw. als Verkaufskiosk benutzt.

Die Hauptursache dafür war aus meiner Sicht der geringe Bildungsstand der Bevölkerung. 1977 waren nach offiziellen Schätzungen 85% der angolanischen Bevölkerung Analphabeten. Wer damals dort gerade mal 4 Klassen abgeschlossen hatte wurde schon mit leitenden Funktionen betraut. Die dann übrig blieben,sollten dann belehrt werden als KFZ-Schlosser über das Zusammenwirken einzelner Systeme eines Kraftfahrzeugs.

Dann waren da noch die "motoristas"-die angolanischen Kraftfahrer der W 50. Grosse verspielte Jungs, die zu Kolonialzeiten eventuell nicht mal auf dem Beifahrersitz Platz gefunden hätten. Für sie waren diese Fahrzeuge ein gewaltiges Spielzeug mit dem ihre temperamentvolle Fahrweise ausgelebt werden konnte. Strassenverhältnisse, Fahrverhalten und Unkenntnis der technischen Zusammenhänge des Fahrzeugs waren der Tod vieler W 50. IFA"muito bom" wurde im Hafen Luanda abgeholt und kam schon im Fuhrpark mit eingedrücktem Fahrerhaus und zersplitterter Frontscheibe an. Die Monteure aus Ludwigsfelde und die "brigadistas RDA" konnten dann nur noch improvisieren. Ersatzteile waren nicht genügend vorhanden.Es mussten andere defekte Fahrzeuge ausgeschlachtet werden.

Ja,wir hatten häufig Kontakt mit den Technikern vor Ort. Sie besuchten uns an Bord,wir fuhren in das Landesinnere. Durch die Gespräche mit ihnen wurden uns viele Probleme dieses Landes vertraut.

Land und Leute kennen lernen, auch deshalb mein Berufswunsch Seemann.

Fortsetzung Angola II in Arbeit !

Unsere IFA-Werkstatt in Mocamedes 1982

 

 

 

 


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