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Sambo

Sambo 1972

Welcher  Alexfahrer  jener  Jahre  kannte  ihn  nicht....
Schon  beim  Festmachen  im  Hafen  Alexandria, stand  die  gute  Seele  abseits  der  lautstarken  Tschinscher  und  hob  bescheiden  die  Hand  zum  Gruss- Sambo. Er  war  einer  der Ärmsten,  unter  den  an  Bord  stürmenden  "Hallo  Hans"  schreienden  Händlern. Nicht  so  aufdringlich, wie  all  die  bekannten  Figuren, die  unter  den  Spitznamen,  wie  Gustav, Mister  Palme  oder  Hans  aus  Hamburg  uns  ihre  Waren aufdrängeln  wollten. Sambo  hatte  nichts  zu  verkaufen. Er  war  Sudanese und  hatte  während   der  Kriegshandlungen, die  zur  Schließung  des  Suezkanals  1967  führten, in  Port  Said  alles  verloren.
Am  unteren  Ende  der  Leiter  der Hierarchie  rangierend, musste  er  sich  auf  den  Schiffen  verdingen, um  seine  vielköpfige  Familie  durchzubringen.
Sambo  war  ein  Faktotum. Bündelweise  Referenzschreiben  über  seine  Zuverlässigkeit, von  anderen  Schiffsleitungen  ausgestellt, benötigte  er  auf  DSR- Schiffen  nicht. Man  kannte  ihn  und  es gab  wohl  kaum  ein  DSR- Schiff dieser  Relation,  auf  dem  er  sich  nicht  nützlich  machte. E r war  als zuverlässig  bekannt, das  war  sein  Kapital. Seine  Dienste,  wurden  während der langen  Hafenliegezeiten,  von  der  Besatzung  gerne  in  Anspruch genommen. Gleichzeitig  fungierte  er  auch  als  Informationsbörse, denn  er  wusste  immer,  welcher  Kollege  auf  welchem  Schiff  der  Reederei  gerade  im Einsatz  war.

Erinnerungen:

Täglich  war  er  während  der  Liegezeiten  an  Bord  und  verrichtete  die unterschiedlichsten  Tätigkeiten. Reinigen,  Malen  oder  zahlreiche, individuelle Wünsche  der  Besatzung  gehörten  zu  seinem  Bereich. Für  wenige  Piaster  versorgte  er  die  Besatzung  körbeweise mit  Erdnüssen  und  Mandarinen für die  abendliche  Kammerparty. Oft  waren  es  aber  auch  nur  Tauschgeschäfte, er  bekam  sein  Essen  an  Bord(nix pork-aber ein  Hafenbräubier)  oder  ein Glas  Marmelade  für  seine  Kinder. Auf  der  Hinreise  nach  Alex  sammelte  die  Besatzung  schon  jegliche  leere  Plastikbehälter, die  Sambo  freudestrahlend  in  Empfang  nahm  und  dann  für  sich  gewinnbringend  verhökerte. Dafür  machte  er  sich  dann  wieder  bei  den  unterschiedlichsten  Botengängen, wie  Post  und  kleineren  Besorgungen  zuverlässig  nützlich. Er  brannte  nicht  mit  dem  anvertrauten  Geld  durch.
Wenn  unsere  "Altmark- crew" zum  regelmäßigen  Fußballspiel  gegen  die  Universitätsmannschaft  von  Alexandria  antrat, hatten  wir  in  Sambo  unseren  treuesten  Fan, der  uns  lautstark  mit  DSR- Flagge  anfeuerte. Hier  brachte er  es  immer  fertig, unsere  mitgebrachten  Getränke, in  der  Mensa unter  Schütteis  zu  kühlen  und  uns  in  der  Halbzeitpause  mit  Obst  zu  versorgen.
Gerne  nahmen  wir  ihn  auch  für  Markteinkäufe  mit, um  unsere  Bordbestände  aufzufrischen. Hier  fungierte  er  als  "Strohmann", bei  der  Verhandlung  um  günstige  Preise. Der  Transport  zum  Schiff  klappte  dann  auch  immer  bestens,sei es bei  den Zollformalitäten  oder  z.B. beim komplizierten  Abtransport  größerer  Mengen von Nil-Aalen  zum  Räuchern.
Mit  unserer  jugendlichen  Unbekümmertheit, machten  wir  häufig  mal , Scherze  auf  seine  Kosten. Heute  denkt  man  anders  darüber. War  es  doch  schon  eine  angenehme  Gewohnheit  geworden, in  einem  fernen  Hafen  bei  jeder  Reise, Sambo  erwartungsvoll  grüßend,  an  der  Pier  zu  sehen.

Persönlich:

Unvergeßlich  sind  mir  heute  noch  seine  Aktivitäten, wenn  er  unseren  abendlichen  Landgang  vorbereitete. Oft  war  es  ein  offener  Einspänner (Fiaker) , mit  dem  wir  dann  die  malerische,  über  20  km  lange  Uferstrasse, die  Corniche ,lang  fuhren. Der  Kutscher  brachte  uns  zum  fairen  Preis  zum gewünschten  Ziel  und  holte  uns  dort  auch  ebenso  zuverlässig  wieder  ab. Das  war  im  Orient  nicht  unbedingt  die  Regel...
Sambo  hatte  vorher  schon  zwei  Flaschen  Mineralwasser,  in  der  uns  abholenden  Kutsche  verstaut. War  ja  so  ein  Problem  mit  dem  Trinkwasser  in  diesen  Breitengraden. Zielstrebig  landeten  wir  dann  meist  in  einem  schönen  Strandlokal, in  dem  es  was  fürs  Auge  und  dem  Magen  gab. Salate, Fisch, Tauben  am  Spieß, acht  Stück  an der  Zahl, waren  die  Favoriten. Dazu  dann  frisch  gepresste  Säfte  von  der  Obstbar, die  wir  dann  mit  unserem  mitgebrachten  Mineralwasser(hochprozentig)  versetzten. Ja,unser Mineralwasser war toll,für den Geldbeutel und die Stimmung.....
Wodka, mit  frisch  gepresstem  Grapefruitsaft, war  mein  Favorit.
Die  kühle  Meeresbrise  auf  der  Rückfahrt, das  monotone  Hufgeklapper  und  das  herrliche  Panorama  Alexandrias  am  Mittelmeer, sorgten  dann  für  die nötige  Bettschwere.
C.K.
 

Unser Fiaker zur abendlichen Tour über die Corniche
Die Corniche in Alexandria

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