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SYRIEN,OKTOBER 1973

Brennende Hafenanlagen Latakia

Im Kriegsgebiet :

Während  der  Kampfhandlungen  des  Yom- Kippur- Krieges  befanden  sich folgende  Schiffe  der  DSR  im syrischen  Kampfgebiet  und  waren  während  der  Gefechte  unmittelbar  betroffen: MS "Altmark",  MS"Havel",  MS "Oder"  und  MS "Weisseritz".Andere  DSR- Schiffe befanden sich  ebenfalls  im   ausgerufenen  Kriegsgebiet (z.B. in Tartous,Alexandria).

  Kampfhandlungen auf dem Seeschauplatz:

  • 6. 10. 1973    Kairo 
  • Ägypten erklärt die eigenen und die israelischen  Hoheitsgewässer zum Kampfgebiet.
  • 6. 10. 1973  Latakia (nachts)
  • Israelische  Raketenschnellboote treffen  vor  Latakia  auf  syrische  Kriegsschiffe. Im  Laufe  des Gefechts wurden  vier  syrische Schnellboote durch  israelische "Gabriel-Raketen"  versenkt.
  • 7. 10. 1973  Port  Said
  • Ägyptisches  Kriegsschiff  durch  israelische  Kampfflugzeuge  versenkt.
  • 7. 10. 1973 Rotes  Meer
  • Drei  ägyptische  Landungsfahrzeuge  durch  israelische  Patrouillenboote  im Roten  Meer  versenkt.
  • 7. 10.1973 Port  Said
  • Seegefecht zwischen  israelischen  und  ägyptischen  Schnellbooten.Ägyptische Kampfflugzeuge  greifen  in  die Kämpfe  ein.Israel  meldet drei und  Ägypten  fünf vernichtete  Schnellboote.
  • 7.10.1973 Ägäis
  • Der  USA- Flugzeugträger "Indepedence" läuft  mit  "unbekanntem  Ziel"  aus  Piräus (6.US-Flotte) aus.
  • 10.10. 1973  Minat- ab- Baida
  • Israelische  Kampfflugzeuge  greifen  das  syrische  Marine- Hauptquartier  nördlich  von Latakia an.
  • 11.10. 1973  Latakia + Tartous+Banias
  • Israelische  Schnellboote  beschiessen  die Häfen von  Latakia, Banias und  Tartous.Israel  meldet  die Versenkung  von zwei  syrischen  Schnellbooten:Syrien  meldet  die Versenkung  von acht  israelischen  Schnellbooten.Im  Verlaufe dieser Nacht  werden  ein  griechischer  Frachter  (10 000 BRT)  und  ein japanisches  Frachtschiff  mit  Medikamenten  an  Bord,  auf  Reede liegend,von  Raketen  getroffen und brennen  völlig aus. Seeleute  kommen zu  Tode.
  • 12. 10. 1973 Tartous
  • Im  syrischen Hafen  Tartous wird  bei  einem israelischen  Angriff das sowjetische  Handelsschiff  "Ilja  Metschnikow"durch  ein israelisches Schnellboot  versenkt.Die  Raketen  rissen 1,5x 3m  grosse  Löcher in die Bordwand.
  • 14.10. Latakia 
  • Seegefecht  nördlich von Latakia,  in  dessen  Verlauf syrische Kriegsschiffe und  Küstenartillerie  zwei  israelische  Kriegsschiffe versenken.
  • 16. 10.1973 Golf  von  Suez
  • Ägyptische  Kriegsschiffe beschießen  israelische  Stellungen  an  der Ostküste   des  Golfs  von  Suez.
  • 16. 10. 1973  Romani (Nordküste  Sinai)
  • Ägyptische  Kriegsschiffe  beschießen  die  Hafenanlagen  von  Romani.
  • 16. 10. 1973 (nachts) Nildelta
  • Israelische  Kriegsschiffe  beschießen  ägyptische  Küstenobjekte im  Nildelta. Unter  anderem werden Funkmeßstationen  im Raum  von  Alexandria angegriffen.
  • 18. 10. 1973  Port  Said
  • Israelische Kriegsschiffe  beschießen  Küstenobjekte im  Gebiet  von  Port  Said. Ein  israelisches  Kriegsschiff  wird  versenkt. Israelische "Froschmänner" sprengen ein wichtiges Unterwasserkabel.
  • 19. 10. 1973  Tartous+  Banias
  • Seegefecht  zwischen  israelischen  und  syrischen  Kriegsschiffen. Zwei  israelische  Schellboote  werden  versenkt.
  • 20. 10. 1973 ( nachts ) Tartous + Banias+  Latakia
  • Israelische  Kommandoeinheiten  versuchen  Küstenobjekte  zu zerstören.
  • 20.10. 1973 Jardaha  (nachts) / Rotes  Meer
  • Israelische  Kommandoeinheiten  dringen  in  den  ägyptischen  Hafen Jardaha  ein.
  • 21. 10. 1973  Port  Said /Golf  von  Suez (nachts)
  • Anschläge  israelischer Kampfschwimmer  auf  ägyptische  Kriegsschiffe  werden verhindert.
  • 6.10.1973  bis  26.10 1973 Bab- el- Mandeb
  • Seit  dem  6.10. 1973  blockieren  ägyptische  Flottenkräfte (darunter  zwei  Zerstörer)den  Ausgang  des  Roten  Meeres  (noch  bis  zum  5.11.1973  liegen  deshalb  13  Handelsschiffe  im  Hafen  Eilat  fest).
  • 26.10. 1973  Rotes  Meer
  • Der  unter  libanesischer  Flagge fahrende  Tanker  "Siris"(28 768  BRT) mit  Treibstoff  für  Israel  an  Bord  läuft  auf  Minen  und  wird  schwer  beschädigt.

    

Brennende Hafenanlagen und Raketentreffer in Öltanks -Latakia (rechts)

     Der geschichtliche Hintergrund

Am  06. 10. 1973  griffen  gegen 14.00 Uhr arabische Truppen die von Israel in drei vorangegangen Kriegen eroberten Stellungen an (Jom-Kippur-Krieg). Die Kampfhandlungen der ersten drei Tage waren von der Initiative  und  entschlossenen  Offensive der Araber geprägt: Ägyptische Truppen forcierten den Suezkanal, überwanden die als unüberwindbar geltende "Bar-Lev-Befestigungslinie" und stießen 15 bis 30 km in die Sinaihalbinsel vor. Syrische  Truppen  eroberten  im  Sturm einen  bedeutenden  Teil  der  Golanhöhen  zurück  und eroberten   die  Stadt  El Kuneitra

Die  USA  und  ihre  Verbündeten  kamen  Israel  mit  einer Waffen- Luftbrücke zur  Hilfe.  Die  Araber  wurden  durch  die  UdSSR  und  die  Warschauer Vertragsstaaten unterstützt. Dazu gehörten auch die - vergleichsweise geringfügigen - Lieferungen der NVA in Form von MiG-Flugzeugen,  Panzern  und  Ausrüstung,   teilweise  mit Personal  zur  Übergabe.

Um  sich  zu  verdeutlichen,  was  in  diesem Zusammenhang  kurzfristig  und  unbürokratisch  auf  die  Beine  gestellt  wurde,  muß  man  sich  die  Mengen vorstellen:  Aus  den  Beständen  des  WV  und  der  SU wurden  in  etwa  300  MiG,  1.200 Panzer  sowie  Ausrüstung  und  Munition  geliefert.  Zwischen Damaskus und  den  Golanhöhen  an  der  Grenze  zu  Israel  wurden 600  SAM- Raketenstellungen  installiert.  Die  sowjetischen Antonow- Transporter  landeten  im  Stundentakt  auf Straßen  in Frontnähe  und  entluden  den  Nachschub.  Im 12- Stunden- Rhythmus  liefen  sowjetische Frachtschiffe, die  dabei  ihre  Hauptmaschinen  kaputtfuhren,  in  die Häfen ein. Dort wurden die Panzer direkt an die Fahrer übergeben. Zwischendurch kamen Autofähren mit Kriegsfreiwilligen und Ausrüstung aus den arabischen Ländern, wie Marokko. Sogar  ungarische  Donaufrachter tauchten  dort  auf. Das  alles  lief  teilweise  unter israelischen  Raketenbeschuss  und  Bombardierungen.  Das erste Raketengefecht der Geschichte zwischen Seestreitkräften  fand  dabei  vor  dem syrischen  Hafen Latakia  unter  Einsatz  elektronischer  Störmanöver  statt.

Weiterer Kriegsverlauf:

In   Anbetracht  der  für  Israel  bedrohlichen  Lage,  kam deren  Verteidigungsministers  Moshe  Dayan  zur Einschätzung,  daß  die  Defensivoperationen  an  beiden Fronten  vermutlich  nicht  zum  Erfolg führen  würden.  Aus diesem  Grund  wurde  am  08. 10. 1973  der  Befehl  erteilt, 13  Kernwaffen  für einen  Schlag  auf  die  militärischen Hauptquartiere  Kairos  und  Damaskus  vorzubereiten. Damit schwebte  die  Gefahr  eines  atomaren  Konfliktes schon  von  Beginn  des  Krieges  über  der  Menschheit.

Israel erreichte mit dieser nuklearen Mobilmachung seine zwei gesteckten Ziele:
1.) Die Oberkommandierenden Syriens und der VAR, ließen auf  Grund des drohenden atomaren Enthauptungsschlags ihre Panzerverbände nicht weiter vorrücken.
2.) Mit  dieser  Option  konnte  die israelische  Ministerpräsidentin   Golda  Meir  erfolgreich  Druck auf  die  USA  ausüben  und  weitere  massive  Waffenlieferungen  sowie  Logistik,  wie  Zugang  zu Satellitendaten,   erzwingen.

Vom  09.10.  bis  14. 10. 1973  entwickelte  sich  eine Gegenoffensive  der  israelischen  Streitkräfte  auf den  Golanhöhen  in  Richtung  der  naheliegenden, syrischen  Hauptstadt  Damaskus.  Die  von irakischen  und  jordanischen  Panzerverbänden unterstützten  syrischen  Truppen  gingen  zurück. Auf  der  Sinaihalbinsel  waren  die  ägyptischen Truppen des    Präsidenten  Sadat  darauf  bedacht, die Stellungen  zu  halten   (der  Separatfrieden  von "Camp  David"  folgte  1979).  Der  israelische Atom- Alarm  wurde  mit  der  Kriegswende  am  14 10. 73 aufgehoben.  Ab  15. 10. 1973  gingen  die israelischen  Truppen  erfolgreich  auf  der Sinaihalbinsel  vor  und  bedrohten den  Suez. Am  16. 10 .1973  ist  der sowjetische  Außenminister  Gromyko  in  Kairo  und drängt  Sadat  zum  Waffenstillstand,  weil  die Gefahr  des  Verlustes  des  Suezkanals  und  einer Niederlage  absehbar  war.  Am  22. 10. 1973  trat entsprechend  der  UN- Weltsicherheitsresoluton  Nr.  338  ein  Waffenstillstand  in  Kraft.  Das Waffenstillstandsabkommen  stand  jedoch  auf  sehr  wackligen  Füßen  und  jede  der kriegführenden  Parteien  wollte  sich  noch Verhandlungspositionen  für  die  Friedensgespräche verschaffen.  So  wurde  der  Seeweg  Bar- el- Mandeb  gesperrt,  was  mit  zur  "Ölkrise"  beitrug.

In  dieser  Situation  erfuhr  der  Konflikt  eine ungeahnte  Zuspitzung,  der  ihn  wieder  in  einen atomaren  Konflikt  hätte  umschlagen  lassen können.  In  der  Nacht  vom  24. 10.- 25. 10. 1973 befürchtete  die  USA,  auf Grund  der  militärischen Situation,  ein  Eingreifen  sowjetischer  Verbände an der  Suezfront.  Damit wäre das militärische Gleichgewicht zwischen Ost und West empfindlich gestört gewesen.  Bis  zu  diesen  Tagen  lief  der  militärische Nachschub  der  SU  über  die  Luftbrücke  Kiew,  Rostow, Wolgograd,  Tiflis  nach  Jerewan,  von  dort  (genehmigt  und  unbewaffnet) durch  türkischen  Luftraum,  an  der iranischen  Grenze  lang,  wo  dann  Höhe Rezaìyal  in  die syrische  Stadt  Alleppo  (Haleb)  abgebogen  wurde.  Zu Beginn  des  Krieges  flog  man  auch  über  Jugoslawien. Seetransporte  mit  militärischen  Nachschub  führten  durch den  Bosporus  in  die  syrischen  Häfen  Latakia  und Tartous.  In  der  Nacht  vom  24. 10- 25. 10. 1973  war  das anders  und  machte  die  USA  nervös:

Von  Budapest  heben  im  Dunkeln  von  einem Militärflugplatz  12  Antonow- Transporter  ab,  nehmen  Kurs auf  den  Nahen  Osten  und  fliegen  erstmals  als  Verband. Die  amerikanischen  Nachrichtendienste  wissen  Minuten später,  daß  sie  als  Ziel  Kairo  haben - wissen  aber  nicht was  sie  geladen  haben.  Die  USA  wußten  zu  diesem Zeitpunkt  nicht,  ob   die  Transporter  zur  normalen Luftbrücke  gehören  oder  ob  sich  eine  Rettungsaktion  für Anwar- el- Sadat  dahinter  verbirgt.  Befindet  sich  in  den Maschinen  Ausrüstung  oder  sowjetische  Truppen?  Das Pentagon  war  in  Sorge,  daß  Breshnew  eine  militärische Intervention  beabsichtigte,  um  den  Ägyptern  wirkungsvoll zu  helfen.  Über  die  prekäre  militärische  Situation  der VAR  war  man  seitens  der  SU  durch  Spionagesonden  vom  Typ  Kosmos  auf  dem  aktuellsten  Stand.

Lageeinschätzung des Pentagons um Mitternacht:

Die Sowjets kündigen militärischen Eingriff im Nahen Osten an, 7 Luftlandedivisionen mit 50.000 Mann mobilisiert und die Mittelmeerflotte wurde in der ersten Wochenhälfte auf 85 Schiffe erhöht. Fazit: In den Maschinen aus Budapest befindet sich die Vorauseinheit mit 1.000 Mann. Die USA befürchten, daß Israel zurückgeschlagen wird und die SU mit 50.000 Soldaten im Nahen Osten präsent bleiben. Donnerstag, 25.10,1973 - Pentagon, 0.10 Uhr Ortszeit: Fernschreiben an alle US-Kommandozentralen in der Welt mit dem verschlüsselten Text "Assume Def Con Three" - Alarmbereitschaft für die Atomstreitkräfte. Überall in der Welt werden Streitkräfte der USA in Alarmzustand versetzt. Auch an der Staatsgrenze zur DDR besetzten die US-Truppen ihre Bereitstellungsräume.

Die  12  Antonow  landen  in  den  frühen  Morgenstunden des  25. 10. 1973  in  Kairo  und  entladen  keine  Truppen, sondern  Panzer  und  SAM- 6  Raketen.  Es  war  lediglich die  letzte  Lieferung  Waffen  nach  Ägypten  gewesen.  In den  USA  gibt  gegen  11.00  Uhr  Ortszeit US- Außenminister  und  Sicherheitsberater  Kissinger  eine Pressekonferenz:  "Wir  haben  nur  Vorsichtsmaßnahmen getroffen."  Aber  äußert  auch   Drohungen  an  Moskau:  "Ein  direktes  und  einseitiges  Eingreifen  im  Nahen  Osten birgt  die  Gefahr  eines  Atomkrieges, der  die  gesamte Menschheit  vernichten  kann."  Die  Reaktion  im  Kreml: "Wollen  die  Vereinigten  Staaten  jetzt  plötzlich  Krieg?" Breshnew  bleibt  besonnen  und  ordnet  nicht  die Alarmbereitschaft  der  Warschauer- Vertrags- Staaten  an. Ein  wenig  später  aus  Washington. "Wir  stehen  nicht  in der  Konfrontation  mit  der  Sowjetunion."  Später  gibt  es Stimmen,  die  der  Meinung  sind,  der  weltweite Atomwaffen- Alarm  der  USA  sollte  von  den Nachfolgeskandalen  des  "Watergate- Skandals"  ablenken.

Am 25. 10. 1973  wurden  die  Kampfhandlungen  offiziell eingestellt.  Am  26. 10. 1973  herrschte  an fast  allen Fronten  Ruhe.  Die  Dritte -  eingekesselte -  ägyptische Armee  unternimmt  jedoch  einen  letzten  verzweifelten Versuch,  ihre  Lage  zu  verbessern  und  z.B.  an Trinkwasser  zu  gelangen.  Unter  dem  Schutz  des  Feuers ihrer  Artillerie  und  ihrer  Panzer  versuchen  sie,  eine  neue  Brücke  südlich  von  Port  Suez  über  den  Kanal  zu schlagen.  Nach  dreistündiger  Schlacht,  in  der  die israelische  Luftwaffe  eine  Hauptrolle  spielte,  mißlang  der  Versuch,  sich  in  den  Besitz  der  Pontonbrücken südlich  des  Kleinen  Bittersees  zu  bringen  und  eine Ost- West- Verbindung  zwischen  den  ägyptischen  Heeresteilen herzustellen.

Am  27. 10. 1973  herrschte  dann  endgültige  Waffenruhe zwischen  den  Konfliktparteien.

Diesen  Überblick,  zu  den Ereignissen,  hatten  die betroffenen  Schiffsbesatzungen  natürlich  zu  dem damaligen  Zeitpunkt  nicht.
C.K.

...fuhren die Hauptmaschinen kaputt....
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