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 Deutsche Seereederei Rostock - ein Rückblick

13.Oktober 1950-Dampfer "Vorwärts"-der Anfang

Über  30 000  Seeleute  fuhren  von 1950  bis  1993  auf  über  340  in  Dienst  gestellten  Schiffen  unter  DSU-, DSR- und  Deutfracht- Flagge,  sowie  mit  der  blau- rot- blauen  Schornsteinmarke  und  dem  Namenszug  des  Heimathafens  Rostock  am Heck  über  die  Weltmeere.

Seeleute, die  über  einen  hohen  seemännischen  Ausbildungsstand  verfügten, sich  weitestgehend  mit  ihrer  Reederei  identifizierten, die  fast  aus  dem  Nichts  sich  zu  einem  der  grössten  und bedeutendsten  europäischen  Schifffahrtsunternehmen  nach  dem  zweiten  Weltkrieg  entwickelte.

Seeleute, die  sich  mit  Liebe  und  Leidenschaft  und  einer  dazu  gehörigen  Portion  Improvisationsvermögen, sich  bei  der  Lösung  ihrer  vielfältigen  Aufgaben  einsetzten  und  stolz  auf  ihren  Beruf  waren. Sie  schrieben  ein  erfolgreiches  Kapitel  deutscher  Seefahrtsgeschichte  und  haben  es  nicht  verdient  in  neueren  zeitgeschichtlichen  Publikationen  zur  Handelsschifffahrt  oftmals  nicht  erwähnt  zu  werden. Wer  viele  Jahre, an  Bord  von  DSR- Schiffen  verbrachte, die  reich  an  Arbeit,  Kameradschaft,  Selbstbestätigung  und  Lebensfreude, trotz  des  harten  Berufs  waren, hat  das  Anrecht  auf  einen  würdigen  Platz  in  der  jüngeren  deutschen  Seefahrtsgeschichte  verdient. Unter  diesem  Gesichtspunkt  sollte  man  auch  die  Traditionspflege  der  DSR  und  einen  fairen  Umgang  mit  ihrer  Geschichte  sehen.

Nicht  Rechtfertigungsversuche  verklärender  Nostalgiker, die  die  Schattenseiten  eines  gescheiterten  gesellschaftlichen  Versuchs  eines  neuen  Konstrukts  schönreden,  sondern  gelebte  Seefahrt  jedes  Einzelnen  mit  positiven  und  negativen  Facetten  sollte  für  die  Geschichtsschreibung  der  DSR  bewahrt  werden. 

Schornstein MS "Altmark"

Die  Frachter  der  Deutschen  Seereederei  (DSR)  fuhren  auf  allen  Weltmeeren.
Das  staatliche  Schifffahrtsunternehmen, 1952  förmlich  aus  dem  Nichts  gegründet, schrieb  ein  erfolgreiches   Kapitel  deutscher  Seeschifffahrt.

Von  Rostock  und Wismar  aus,  fuhr  die Flotte  mit  dem  blau- rot- blauen  Schornsteinring, in  alle  Himmelsrichtungen  der  Welt. In  ihrer  Hochzeit  unterhielt  die  Deutsche  Seereederei  Rostock (DSR)  28  Liniendienste, 17  davon  kooperierend  mit  anderen  internationalen  Schifffahrtsunternehmen. DSR- Schiffe  waren  in  den  Häfen  von  über  100  Ländern  präsent. 1977  waren  203  Schiffe  der  DSR im  Schiffsregister  vermerkt. Damit war  die DSR  nicht  nur die  zahlenmässig  stärkste  deutsche  Flotte  jener  Zeit, sondern auch  die  grösste  Universalreederei  Europas.

Nach  den  politischen  Umbrüchen  des  Jahres  1989   änderte  sich  diese  Situation  buchstäblich  von  heute  auf  morgen. Die  Fahrtgebiete  waren  perspektivisch  nicht  mehr  haltbar  und  gewachsene  Linien, wie  z.B. Erz  aus  der  SU, Zucker  aus  Cuba  u.ä. spielten  in  der  neu  angebrochenen  Zeit  keine  Rolle  mehr. Aus  der  staatseigenen Reederei  wurde  1990  eine  GmbH, 3  Jahre  später  waren  von  163  DSR- Schiffen lediglich noch  63 in  Fahrt. Mit  dem  Schiffsbestand, schrumpfte  auch  der  Personalbestand  und  viele  Seeleute  verloren  ihre  Arbeit.

Der alte  Flotten- und  Personalbestand  konnte  aus  marktwirtschaftlichen  Interessen  nicht  mehr  gehalten  werden. Für  viele  DSR- Seeleute  ein  schmerzlicher  Prozeß, der  aber  unter  profitorientierten  Wettbewerbsbedingungen  zum  brutalen  Alltag  gehört. 1993  wurde  die  DSR  an  die  Hamburger  Kaufleute   Nikolaus  W.Schües  und  Horst  Rahe  verkauft  und  privatisiert. Zu  diesem  Zeitpunkt  standen  nur  noch  2500  Fahrensleute, von  ehemals  8000  auf  den  Heuerlisten.
Für  persönlich  Betroffene, ein schwerer  Einschnitt  in  die  bisherigen  Lebensplanungen..
Für  viele DSR- Seeleute, besonders  Besatzungsmitgliedern  der  Stammbesatzungen,  war  der  schwimmende  Arbeitsplatz  ein  zweites  Zuhause  geworden. Das  war  mehr,  als  nur  der  harte  Arbeitsplatzverlust..... Um  den  Ausstieg  aus  der  Seefahrt  abzufedern, wurde  eine  Qualifizierungsgesellschaft  gegründet,  in  der  viele  Seeleute   für  einen  Arbeitsplatz  "landtauglich"  gemacht  werden  sollten. Inwieweit  dies  mehrheitlich  vom  Erfolg  gekrönt  war, vermag  ich, angesichts  zahlreicher  mißlungener  Versuche  bei  anderen  Firmen nicht  zu  bewerten.

Der  Großteil  der  DSR- Flotte  ist  verkauft  worden.  Die  anderen  sind  aufgelegt  oder  längst  dem  Schneidbrenner  zum  Opfer  gefallen.  Von  den  einst  insgesamt  344  in  Dienst  gestellten  Handelsschiffen  waren  nachweislich  im  Jahre  2002  noch  77 auf  allen  Meeren  unterwegs.
Natürlich  nicht  mehr  alle  unter  blau- rot- blauer  Flagge...

MS"Altmark" in Hamburg

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