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Erinnerungen

Westafrika - Hafen Lome / Togo

Proviantkauf in Westafrika

Marktfoto Dakar/Senegal 1973

Irgendwie waren das damals noch richtige Seefahrerzeiten. Der Einkauf von Frischproviant im Fahrtgebiet Westafrika war immer ein kleines Abenteuer. Schiffshändler gab es hier zwar auch, allerdings wollte man keine harte Währung für minderwertigen Frischproviant investieren. Also entwickelte sich hier ein Handelsgebaren wie zu Zeiten der Entdecker Afrikas.Es dominierten nicht mehr Glasperlen und Spiegel als Tauschgegenstände aber man hatte dies der Neuzeit einfach angepasst.

In Afrika konnten die Menschen damals immer alles gebrauchen was wir sonst immer neben das Schiff gestellt haben.Mit dem Umweltschutz wurde es seinerzeit leider nicht so eng gesehen und vieles ging ohne Rücksicht einfach über Bord.
Also sammelten wir erstmal während der Reise für unsere afrikanischen Einwohner so manche große Dose, Schraubglas oder leeren Plastikeimer. Beliebt waren auch die grossen Rollmopsgläser und die grossen Plastik-Spülmittelbehälter. Chefcookie packte dort noch das eine oder andere Glas Marmelade oder Kondensmilch mit rein, wenn sich dann noch ein gefrorenes Hähnchen mit verflogen hatte, war die Freude gross. Die Maschinengang hatte schon die Putzlappenballen gründlich gefilzt und das eine oder andere brauchbare Kleidungsstück als Geschenk oder Tauschware gesichert. Im Gegenzug lieferte man uns dafür die eine oder andere Staude Bananen oder ein Korb mit Orangen u.ä. Dies war die Variante eins der Verproviantierung.

Der Markteinkauf

Marktstand im Senegal -Bilder zum anklicken!

Die zweite Variante der Versorgung des Schiffes mit Frischproviant war der direkte Markteinkauf. Hierbei war dann auch die Erfahrung des Kochs im Fahrtgebiet gefragt, denn die meisten afrikanischen Wochenmärkte gaben in Bezug auf Sortiment und Qualität nicht viel her. Unter Beachtung bestimmter Einkaufsverbote aus gesundheitlichen Bedenken und späterer möglicher Desinfizierung mancher Früchte wurde die Ware ausgewählt.Letztendlich spielte die Kombüse eine sehr wichtige Rolle für die Gesundheit der Besatzung. So durfte man in manchen Ländern zb. keine Salate, Bohnen oder ähnliche "Erdfrüchte" kaufen, da diese mit Tierdung gedüngt wurden. (Salmonellen etc.). Auch der der "Dr. med. naut", der II. NO, wurde beratend mit zur Hilfe gezogen. So wurden zb. in manchen Ländern Schalenfrüchte (Orangen,Mandarinen usw.) vor Verabreichung an die Mannschaft, mit Kaliumpermanganat gründlich desinfiziert.

Meist begab sich der Koch mit 1-2 Besatzungsmitgliedern und einem einheimischen Vormann zum Markteinkauf. Der Vormann fungierte meist als ortskundiger Fahrer und Dolmetscher (Landessprache/englisch). Seine Belohnung erfolgte leistungsbezogen auf sein Geschick beim "mit-tschinschen" in Form von Hafenbräu (Bier).

Nach erfolgreichen Einkauf näherte sich dem Schiff dann eine " Fruit-Polonäse". In einer Reihe hintereinander ein paar afrikanische Mammis unterschiedlichen Körpervolumens, grazil die Körbe mit Früchten auf den Kopf balancierend. Dahinter der Vormann, links und rechts eine Bananenstaude auf den Schultern. Am Ende die Besatzungsmitglieder, die trotz ihres wichtigen Auftrags, sich irgendwo noch ein paar Elephant-Bier  einverleibt hatten.Der Vormann bekam danach noch ein paar Tipps wann das Schiff ausläuft und wo man außerhalb des Hafens dann noch ein paar Stropps mit Stauholz/Garnier aufpicken kann. So waren letztendlich alle zufrieden. Seefahrt Westafrika Anfang der 1970er.

Farbenfrohe Blumenverkäuferin in Dakar
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