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Volltreffer

                                                                              Spanische  Küste  1974.

Wir  setzten  unser  Rettungsboot  aus  um  zum  MS "Elster"  zu  fahren. Hier haben  wir  Farbe, Chemikalien, Filme, Bücher,  Proviant  und  ein  paar  dringend  benötigte  kleinere  Ersatzteile  übernommen.Dies war damals ein häufig praktizierter Vorgang. Bei  der  Übernahme  dieser  "Fracht" vom  Rettungsboot  aus  auf  unsere  "Altmark" schlug  dann, bedingt  durch  den  Wellengang, ein  angeschlagener  Drums  mit  weisser  Farbe  an  die  Aussenhaut  und  klatschte  wie  eine Bombe  in  das  Rettungsboot. So  sehen  fluchende  Seeleute  bei  Reinigungsarbeiten  aus

Belmondo

"Belmondo"
Irgendwann verliessen wir den Hafen Marseille in Richtung Karibik/Südamerika und hatten Gibraltar gerade passiert, als der 4-8 Wächter mit einem, in einem Handtuch eingewickelten Federball, vor der Kombüse stand. Ein Raubvogel, mehr tot als lebendig, gefunden in einer Salzwasserlache zwischen der Decksladung. Erstmal ohne Gegenwehr das Federtier mit Süsswasser in einer Pütz abgespult, mit der Hoffnung er nimmt auch solches zu sich. Nach dieser Erste-Hilfe- Aktion tauchte dann jeder der Besatzung auf und hatte kluge Ratschläge zur weiteren Behandlung. Abwechslung in der Bordmonotonie.
Das Bad hatte dem gefiederten Räuber gut getan, nur mit dem Fressen musste ein Weg gefunden werden. Er liess keinen an sich ran und hackte nach allem was sich bewegte. Der Chief gab ein Teil seines Maschinenbüros frei, dass wir mit Maschendraht abteilten. Eine Art Verschlag, eine maritime Voliere. Mir übertrug man die regelmässige Versorgung dieses neuen Besatzungsmitgliedes.Na ja, ich hatte Spass dran. Nach ein paar Tagen nahm er in seinem Gefängnis von mir Wasser und Nahrung in Form von Frischfleisch (Leber) an. Er wurde mir gegenüber dann auch zutraulicher. In Anlehnung an den Film "Abenteuer in Rio", unserer Überfahrt u.a auch nach Brasilien von Frankreich aus, verpasste ich ihm nach den Hauptdarsteller (Jean-Paul) den Namen "Belmondo". Nach einer Woche ca., mit einem Bändsel am Bein, verbrachte er seine freie Zeit achtern auf dem Spill an der freien Luft. Teile der Besatzung fanden sich dann immer zur Fütterung ein. "Belmondo" fühlte sich pudelwohl. In Martinique und Guadeloupe habe ich das Bändsel gelöst, er aber lief mit uns wieder aus. In Rio verschwand er dann auf Nimmerwiedersehen. "Belmondo" eben.


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